Historisches aus der Region Historisches aus Vesser
Das Gebiet der späteren Grafschaft Henneberg lag im frühen 8. Jahrhundert im Machtbereich der Krone und war damit ein Teil der Königsprovinz Ostfranken. Der umfangreiche unmittelbare Reichsbesitz wurde durch Grafen als absetzbare Beamte verwaltet, die hier seit 787 n. Chr. nachweisbar sind. Neben dem König fasste hier sowohl das 741 gegründete Bistum Würzburg Fuß, und auch das von den Benediktinern 744 gegründete Kloster Fulda erwarb einen umfangreichen Streubesitz. 800 900 900 n. Chr. wurde Vesser das erste Mal in einer Urkunde als "Uezzerun" erwähnt. Der fränkische Adelige Adalbrath überläßt in dieser seine Besitzungen "wo Eisen zusammengeblasen wird", dem Kloster Fulda.
Laut Grimmschen Wörterbuch wird Fezzer  mit Fesseln oder aber auch mit Ketten übersetzt. Daher wurde der Ort, der sich bei der Schmiede gebildet hatte "in den Ketten" genannt.Diese Eisenschmiede muß wohl weithin einen Ruf gehabt haben, denn ganz selten findet sich in Urkunden dieser Zeit eine Erläuterung ähnlicher Art.
In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verschwand nach dem Investurstreit unter Kaiser Heinrich IV. das Reichsgut in dieser Region. Es wurde zumeist an kaisertreue Vasallen oder an die Kirche verschenkt. Diesem Umstand verdanken auch die Grafen von Henneberg ihren Aufstieg, die sich im Kampf der aus dem Zerfall der alten Grafschaftsverfassung hervorgegangenen Kleinherrschaften gegeneinander durchsetzten. Urkundlich werden sie unter ihrem von ihrer Stammburg herrührenden Geschlechtsnamen "von Henneberg" 1096 erstmalig erwähnt. 1096
In den Jahren 1131 bis 1135 gründeten und erbauten die Grafen von Henneberg ihr Hauskloster Veßra. Im 12/13.Jahrhundert verlegten sie ihren Herrschaftssitz in das Schloß Bertholdsburg zu Schleusingen. Besondere Bedeutung erlangten die Henneberger unter Berthold IV. (1284–1340), welcher als Berater dreier deutscher Kaiser stark in die Reichspolitik eingriff und dadurch Mittel gewann, verlorengegangene Gebiete wiederzuerwerben und seine Machtstellung ganz erheblich auszubauen und so gleichberechtigt neben seine großen Nachbarn sowohl in Franken als auch in Thüringen treten konnte. Dem entsprach auch die Erhebung in den Fürstenstand.
1131
1406 Waren es anfangs nur dürftige Unterkünfte, die sich um das Bergbaugebiet, die Schmelzhütten und Schmieden bildeten, beginnt die dörfliche Entwicklung im frühen 15. Jahrhundert. So ist bereits in einer Urkunde vom 2. Mai 1406 von einem Hammer in der Vesser die Rede.(Späteres unteres Forsthaus bis 1748, danach bis 1854 wurde dieser an der heutigen Hammerwiese betrieben). Er ist damit als ältester Hammer des Schleusegebietes anzusehen, selbst der erste Hammer in Suhl wird erst 1437 genannt.
1468 Eine weitere urkundliche Erwähnung der Gemeinde Vesser erfolgte für die Gebrüder Triebel im Steuerregister von 1468, als Betreiber des Hammerwerkes an der Vesser.
1539 Die Verfassung der Gemeinde beruhte auf der Fürstl. Grafschaft Hennebergischen Landesordnung von 1539. Die dörfliche Verwaltung bestand aus einem Schultheißen, einem Gemeindevorsteher und mehreren Beisitzern, den sogenannten Zwölfern, die auf Lebenszeit von der Gemeinde gewählt wurden.
Bereits im Jahre 1554 schlossen Graf Wilhelm und seine Söhne gegen Zahlung von 130474 Gulden einen Erbfolgevertrag mit Johann Friedrich dem Mittleren von Sachsen – Ernestinische Linie – dergestalt, daß bei einem Aussterben der Henneberger Grafen die Grafschaft an jene fallen sollte. Dieser Vertrag wurde durch Kaiser Karl V. bestätigt. 1554 1572 wird die Einwohnerzahl von Vesser mit 14 angegeben,
1583 trat der Erbfall ein, nachdem der letzte Henneberger Georg Ernst ebenso wie schon 1574 sein Bruder Poppo VII. kinderlos verstarb. Die Grafschaft Henneberg war somit bis 1815 unter kurfürstlicher bzw. fürstlicher sächsischer Verwaltung.

1583 1573 werden zwei Büchsen- und ein Federspießträger als wehrhafte Männer benannt.
1631 gab es in Vesser sieben Häuser und sieben wehrhafte Männer.
1663 Am 23.1.1663 wurde die Schultheißin Magdalene Triebel, nachdem sie als Hexe zum Tode verurteilt wurde, in Schleußingen enthauptet und daselbst auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Insgesamt fielen diesem Wahnsinn von 1597 bis 1676 197 "Hexen" aus der Grafschaft Henneberg zum Opfer.
1710 Kirche von Vesser1710 bis 1711 – Errichtung der der Vesserer Kirche als Filialkirche von Frauenwald.
1716 stellte Vesser Heinrich Stubenrauch als Präzeptor (Lehramtsanwärter) ein, sodaß die Vesserer Kinder, die von 1601 bis dahin im Nachbarort Schmiedefeld die Schule besucht hatten nun im Ort selbst Unterricht nehmen konnten. 1719 folgte ihm sein Sohn Hans Michael im Amt.
1758 waren es 19 Häuser mit insgesamt 30 Haushaltungen.
1759 Bis 1758 gehörte Vesser neben Schmiedefeld, Allzunah und Stützerbach zur Pfarrei Frauenwald, ab 1759, nachdem Schmiedefeld ein selbständige Pfarrei wurde, zu dieser.
1815 wurde die ehemalige Grafschaft Henneberg auf dem Wiener Kongress Preußen zugeschlagen, bei welchem sie als Kreis Schleusingen bzw. Suhl bis 1945 blieb. 1815 1815 Neubau einer Schule, die 1834 abbrannte, aber noch im gleichen Jahr wiedererrichtet wurde.
1815 Nach der Übernahme durch Preußen wurde 1817 das Allgemeine Preußische Landrecht im Kreis Schleusingen eingeführt. An der Spitze der Gemeinde stand der Schulze nebst zwei Schöffen. Jährlich wurden Gemeindeversammlungen einberufen, die 1850 durch die Bildung von Gemeinderäten ersetzt wurden.
1855 waren es 22 Häuser, ein Gasthaus, 180 Einwohner; folgende Berufe wurden festgestellt: 3 Geschirrhalter, 2 Porzellanmaler, 1 Hammerbesitzer, 3 Webermeister, 1 Tischler und mehrere Holzmacher. Im Tal unterhalb des Dorfes werden aufgezählt: 1 Schneidemühle, 1 Eisenhammer, 1 Schmelzofen, 1 Zainhammer sowie weiter unten noch 2 Schneidemühlen, 2 Stahlhämmer und ein Sensenhammer, 1 Mahl- und 1 Schneidemühle.
1892 trat die neue Landgemeindeordnung in Kraft, die anstelle des Schulzen den Gemeindevorsteher, die zwei Schöffen und die Gemeindeverordneten vorschrieb.
Um 1900 entwickelte sich in vielen Gemeinden des mittleren und östlichen Rennsteiggebietes die glasverarbeitende Industrie. 1900 1900 Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts weilten erste "Badegäste" in Vesser. Ob seiner Abgeschiedenheit, seiner Naturbelassenheit wurde Vesser zum Eldorado unter Kennern.
In Vesser waren zu dieser Zeit Glasbläser, Glasschreiber und Glasschleifer mit der Herstellung von Thermometern und sonstigen Geräten aus Glas für die chemische Industrie befaßt. Die Werkstätten befanden sich in den Wohnhäusern.
Erdäpfelernte im 1. Weltkrieg Vesser 1918
Breitenbacher Straße um 1920 1919 Gründung der der Firma Orban und Kühn, die feinmechanische Geräte fertigte und zeitweise 30 Personen beschäftigte.

Von der Weide zurück ins Unterdorf Nach der Weide: Melken (um 1925)
Historische Aufnahme der Kirche in Vesser Vesser um 1930
1935 trat an die Stelle des Gemeindevorstehers der Bürgermeister.
1937 1937–1938 Erweiterung des Schulbaus
1939 Einrichtung des Naturschutzgebietes Vessertal
Integrierung des Kreises Suhl in das Land Thüringen 1945 1945 Nach dem 2. Weltkrieg verschwand die glasverarbeitende Industrie aus dem Ortsbild.
Die inzwischen gegründete DDR löste zur Stärkung ihrer Zentralgewalt die Länder auf und bildete Bezirke. Das ehemalige Henneberger Land gehörte zum Bezirk Suhl, wurde aber unter die Kreise Suhl/Zella-Mehlis. Hildburghausen und Ilmenau aufgeteilt. 1952 1952 Vesser wurde dem Kreis Ilmenau zugeteilt.
1969 Auflösung der Vesserer Schule, nachdem sie 253 Jahre bestanden hatte.
1979 Einrichtung des Biosphärenreservates Vessertal
Nach der Wende 1989/1990 wurden wieder Länder gebildet und die Kreisgrenzen erneut verändert. 1994 1994 Vesser schloß sich auf mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung der kreisfreien Stadt Suhl an.
Heute hat Vesser 88 Häuser und rund 250 Einwohner.

Texte mit freundlicher Genehmigung übernommen (teilweise wörtlich) aus der Broschüre "1100 Jahre Vesser" von Gerhard Rempt, Herausgeber: Tourismus- und Heimatverein Vesser, 1999